Wohnung gesucht, Verstand verloren

Wohnung gesucht, Verstand verloren

Die Wohnungssuche in Deutschland ist kein Hobby, sie ist ein Extremsport. Man denkt naiv: "Ach, ich zieh mal um, bisschen frischer Wind, Balkon mit Kräutertopf, fertig." Und plötzlich steckt man in einem Paralleluniversum, in dem Grundrisse lügen, Warmmieten schwitzen und Makler so schwer erreichbar sind wie Einhörner.

Man schreibt Bewerbungsmails, die klingen wie eine Mischung aus Liebesbrief, Lebenslauf und Bittgesuch an den Papst: "Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin zuverlässig, ordentlich, habe eine saubere Schufa und atme nur bei Bedarf." Dazu noch der Hinweis auf den Hund – ein Chihuahua, klein, ruhig, quasi ein meditierender Fellball. Aber sobald das Wort "Hund" fällt, reagieren viele Vermieter, als hätte man angekündigt, mit einer Horde Wildschweine einzuziehen.

Dann die Unterlagen: Schufa, Einkommensnachweise, Mieterselbstauskunft, Hundepapiere, Blutgruppe, Lieblingsfarbe – fehlt nur noch ein DNA-Test. Und während man alles brav zusammensammelt, fragt man sich: "Warum muss ich eigentlich beweisen, dass ich kein Miet-Terrorist bin? Ich will doch nur wohnen, nicht eine Death-Metal-Band im Wohnzimmer gründen."

Hat man es dann tatsächlich zu einer Besichtigung geschafft, steht man mit 20 anderen Bewerber:innen im Flur, alle mit dem gleichen Gesichtsausdruck: "Ich bin nett, ich zahle pünktlich, ich backe Kuchen für die Nachbarn." Man lächelt, nickt, schwitzt und redet sich ein, dass das winzige Bad ja "gemütlich" ist und man Yoga beim Duschen machen könnte.

Und die Makler? Entweder Funkstille oder Floskelfeuerwerk: "Vielen Dank für Ihre Anfrage, leider ist die Wohnung bereits vergeben." Oder: "Bitte senden Sie uns Ihre Unterlagen, Ihre Lebensgeschichte und ein Gedicht über Ihre Steuerklasse." Manchmal hat man das Gefühl, sie kommunizieren über Rauchzeichen.

Am Ende bleibt: Kaffee, Sarkasmus und die Hoffnung, dass irgendwo da draußen ein Balkon auf mich wartet. Mit Blick ins Grüne. Mit Platz für einen Napf. Und vielleicht sogar für meinen Verstand, den ich unterwegs verloren habe.

Also mal ehrlich: Ich bin 1. Februar 2026 sollte ich in Hamburg ein Dach über dem Kopf haben. Kein "vielleicht", kein "mal schauen", sondern sowas von Echt. Jetzt. Und während andere Leute sich Gedanken machen, ob sie bis dahin ihre Neujahrsvorsätze durchhalten, denke ich: "Wo genau stelle ich eigentlich meinen Chihuahua und meinen Kleiderschrank ab?"

Die Uhr tickt. Und zwar nicht leise. Sie hämmert. Jeder Tag ohne Zusage klingt wie: "Ding dong, noch 90 Tage bis zur Obdachlosigkeit light." Ich meine, klar, ich könnte auch kreativ werden: Zelt im Stadtpark, WG mit den Schwänen an der Alster, oder Airbnb-Dauerschleife. Aber ganz ehrlich – ich will einfach nur eine Wohnung. Mit Balkon. Mit Küche. Mit Keller. Und ohne dass ich dafür eine Niere verkaufen muss.

Und dann diese Makler-Mails: "Vielen Dank für Ihre Anfrage, wir melden uns." Ja, klar. Wahrscheinlich am 31. Januar um 23:59 Uhr mit der Info: "Wohnung leider vergeben, aber viel Erfolg weiterhin."

Ich sehe mich schon, wie ich am 1. Februar mit meinem Chihuahua vor dem Hamburger Hauptbahnhof stehe, ein Schild hochhalte: "Suche 2 Zimmer, 50 m², Balkon optional, Hund inklusive." Vielleicht mache ich gleich ein Event draus: "Wohnungssuche – das Musical". Eintritt frei, Miete warm.

Aber hey – noch ist Zeit. Noch glaube ich daran, dass irgendwo in Hamburg ein Balkon auf mich wartet. Und wenn nicht, dann schreibe ich eben den Bestseller: "Wie ich fast eine Wohnung fand – und stattdessen eine Karriere als Straßenkünstlerin startete."


Was bleibt, wenn alles kippt

Seit meinem letzten Post hat sich einiges verändert – leider nicht zum Guten. Nach ein paar Tagen Sonnenschein kam die Dunkelheit schneller zurück, als ich schauen konnte. Die Boshaftigkeit vertrauter Menschen hat sich direkt auf mich gerichtet. Der Pächter – also der Chef von meinem Ex – hat offenbar beschlossen, dass ich das Problem bin.

Zu viel Geschichte, zu wenig Luft zum Atmen.

Ich stand da, sprachlos, schluchzend, während man mir mit einem Schlag das letzte Stück Würde nehmen wollte. Ich habe an dem Abend zur Mutter Gottes gebetet – einfach nur, dass ich mich beruhige. Ich war schon halb weggetreten, habe einem Freund geschrieben. Er kam sofort. Ohne Fragen. Einfach da. Hat mich ins Bett gebracht, hat in der Nacht mehrfach nach mir gesehen. Ich war da – körperlich zumindest. Aber mein Körper schrie vor Schmerz, meine chronische Krankheit tobte. Die Woche wurde zum Horrorfilm, den ich nicht bestellt hatte. Mein Bekannter Helmut konnte es nicht fassen.

Was war da los? Warum plötzlich so viel gegen mich? Und dann – als wäre das alles nicht schon absurd genug – bekam ich Hausverbot in der Tankstelle.Ja, richtig gelesen: Hausverbot. In der Tankstelle.Im Nachhinein ist das Ganze so lächerlich, dass man fast drüber lachen könnte... Als hätte ich dort heimlich Zapfsäulen umarmt oder die Kaffeemaschine beleidigt.

Aber gut – wenn Drama verteilt wird wie Benzin, dann steh ich wohl mitten in der Lache. Ich weiß nicht, was manche Menschen antreibt. Aber ich weiß, dass ich lebe. Dass ich atme. Dass ich nicht schweigen werde.

2025

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